Krisenmanagement in der Pflege

Pandemievorbereitung für Pflegeeinrichtungen - Szenario-Workshops entwickeln Krisenstrategien für Kliniken und Pflegeheime

Gewappnet für die nächste Pandemie

Was passiert, wenn die nächste Pandemie kommt? Während sich Pflegeeinrichtungen noch von Corona erholen, fehlen systematische Vorbereitungsstrategien für künftige Krisen. Die BAuA beauftragte Ellery Studio mit der Konzeption und Moderation bundesweiter Szenario-Workshops, die die schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit in präventive Handlungsoptionen verwandeln. 39 Expert:innen aus Pflegepraxis, Forschung und Behörden entwickelten darin konkrete arbeitsorganisatorische Maßnahmen für künftige Pandemiesituationen. Das Ergebnis: Ein 70-seitiger Forschungsbericht plus Fachartikel, der Pflegeeinrichtungen systematisch auf unbekannte Krisen vorbereitet.

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Die Herausforderung

Nie wieder unvorbereitet: Wie Pflegeeinrichtungen aus Corona lernen

Die Corona-Pandemie offenbarte schmerzhafte Schwachstellen im deutschen Pflegesystem. Überlastete Teams, chaotische Kommunikationswege und fehlende Krisenstrategien prägten den Alltag in Kliniken und Seniorenheimen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erkannte: Für künftige Pandemien braucht es systematische Vorbereitung statt reaktives Krisenmanagement. Doch wie verwandelt man traumatische Erfahrungen in präventive Handlungsstrategien? Die BAuA suchte einen methodischen Partner, der Zukunftsforschung beherrscht und komplexe Stakeholder-Gruppen moderieren kann.
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Ergebnis und Leistungen:

Aus Szenario-Entwicklung wird Strategieentwicklung

Die ursprüngliche Ausschreibung sah klassische Szenario-Entwicklung vor. Im Auftaktgespräch wurde jedoch klar: Die BAuA brauchte weniger explorative Zukunftsbilder als konkrete Handlungsstrategien. Ellery Studio passte den Ansatz an und entwickelte einen Methodenmix aus Zukunftsforschung und Design Thinking. Das Futures Wheel half dabei, von schmerzhaften Corona-Erinnerungen systematisch zu konstruktiven Zukunftsbildern zu gelangen. Das Ideation Canvas übersetzte diese Erkenntnisse in umsetzbare Maßnahmen. Besonders die hierarchiefreie Arbeitsatmosphäre ermöglichte produktiven Austausch zwischen Intensivpflegern und Professorinnen.

Deliverables

Konkret geliefert

1

Zwei Szenario-Workshops

Je zweitägige Veranstaltungen für Akut- und Langzeitpflege mit 39 Expert:innen aus Praxis, Forschung und Behörden. Methodenmix aus Futures Wheel, Pain Point Mapping und Ideation Canvas.
2

70-seitiger BAuA-Forschungsbericht

Umfassende Dokumentation der Workshop-Methoden und -ergebnisse. Statt der geforderten 30-40 Seiten entstanden 70 Seiten plus Anhang mit konkreten Handlungsempfehlungen.
3

Fachartikel für "Die Schwester | Der Pfleger"

Vierseitiger Artikel für Deutschlands größte Pflegefachzeitschrift. Übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in praxistaugliche Empfehlungen für 160.000 Pflegefachkräfte.
4

Zusätzlicher Hitze-Workshop

Methodische Beratung einer Doktorandin für einen Workshop zu Hitzewellen im Krankenhaus. Wissenstransfer und Kompetenzaufbau beim Unfallklinikum Berlin.

Deep Dives und Learnings

Zukunftsforschung als Brückenbauer zwischen Trauma und Transformation

Wie verwandelt man kollektives Trauma in kollektive Handlungsfähigkeit? Ellery Studio führte die Workshop-Teilnehmenden systematisch von schmerzhaften Corona-Erinnerungen zu konstruktiven Zukunftsbildern. Das Futures Wheel deckte dabei überraschende Zusammenhänge auf: Bessere Kommunikation in Krisen hängt nicht nur von Technik ab, sondern von Vertrauen zwischen den Akteuren. Diese methodische Tiefe unterscheidet oberflächliche Krisenpläne von wirklich resiliente Organisationsstrukturen.

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Partizipation als Qualitätsmerkmal komplexer Beratungsprojekte

Die größte Herausforderung lag nicht in der Methodik, sondern in der Stakeholder-Orchestrierung. 172 potenzielle Teilnehmende wurden angefragt, 39 konnten gewonnen werden. Ellery Studio entwickelte dabei eine Akquise-Strategie, die persönliche Ansprache mit professioneller Projektdokumentation verband. Besonders erfolgreich: Das Telefon als Vertrauensbildner. Viele Zusagen entstanden erst im direkten Gespräch, nachdem zunächst höfliche E-Mail-Absagen eingegangen waren. Diese Erfahrung zeigt: In sensiblen Bereichen wie der Pflege öffnet menschliche Nähe Türen, die reine Professionalität verschlossen hält.

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Gefangen in Corona - Warum selbst Expert:innen keine alternativen Pandemien denken können

Eine überraschende Erkenntnis: Selbst Fachleute konnten sich kaum von COVID-19 lösen. Als die Teilnehmenden ein Futures Wheel zu "Was wäre, wenn eine neue Pandemie ausbricht?" erarbeiteten, blieben die meisten bei Corona-Mustern: Atemwegserkrankung, Isolation, Schutzkleidung-Mangel. Dabei war die Aufgabe bewusst offen formuliert. Zukunftsforscher nennen das "Weight of the Past" - die Prägekraft vergangener Erfahrungen blockiert neue Perspektiven. Die Implikation für Krisenvorsorge: Wenn Expert:innen kaum über bekannte Szenarien hinausdenken können, braucht es systematische Methoden zur Horizonterweiterung.

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Vertrauen schlägt Information - Warum Krisenkommunikation eine Beziehungsfrage ist

Beide Workshops identifizierten Kommunikation als zentrales Problem. Doch nicht fehlende Informationen waren das Thema, sondern fehlendes Vertrauen zwischen Hierarchieebenen. Pflegekräfte berichteten von Informationsfluten, die in der Leitung hängenblieben. Gleichzeitig erreichten Rückmeldungen aus der Praxis nie die Entscheidungsebene. Die Workshops wurden dadurch selbst zur Intervention. Als Pflegeheimleitung und RKI-Vertreterin erstmals direkt sprachen, entstanden gegenseitige Aha-Momente. Eine Teilnehmerin: "Ich habe zum ersten Mal verstanden, warum diese Regelung so getroffen wurde." Die Konsequenz: Statt mehr Newsletter braucht es regelmäßige transdisziplinäre Austauschformate vor der nächsten Krise. Nicht als Informationsveranstaltung, sondern als Vertrauensbildung.

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Was das Projekt bewirkt

Vom Workshop zum Fachartikel: Wissenstransfer bis zur Zielgruppe

Der BAuA-Bericht liefert Pflegeeinrichtungen konkrete Handlungsempfehlungen auf drei Ebenen: von Teamfortbildungen über Krisenplan-Templates bis zu politischen Leitlinien. Der Fachartikel in „Die Schwester | Der Pfleger“ übersetzt diese für 160.000 Pflegefachkräfte bundesweit in praktische Maßnahmen. Die Workshops selbst wurden zum Vertrauensbildungsprozess. Wenn Intensivpfleger und Ministerialbeamte erstmals direkt miteinander sprechen, entstehen gegenseitige Perspektivwechsel, die technische Lösungen allein nie erreichen. Dieser transdisziplinäre Austausch schuf Grundlagen für künftige Zusammenarbeit in Krisensituationen.
Q&A
Q1
Kann man mit handgezeichneten Illustrationen überhaupt seriöse Wirtschaftspolitik kommunizieren?
Absolut. Gerade bei komplexen Themen wie der Care-Ökonomie schaffen handgemachte Elemente emotionale Zugänge, die reine Datenvisualisierungen nicht bieten. Der bewusst unfertige Look senkt Barrieren und lädt zur Beteiligung ein – genau das braucht eine Bewegung, die auf breite Mobilisierung zielt.
Q2
Wie stellt man sicher, dass eine global ausgerichtete Kampagne kulturelle Sensibilität wahrt?
Wir haben auf universelle Bildsprache gesetzt: abstrakte Figuren statt konkreter Personen, symbolhafte Darstellungen statt kulturspezifischer Marker. Gleichzeitig bietet die modulare Struktur Raum für lokale Anpassungen. Die Grundbotschaft bleibt global verständlich, während Details regional angepasst werden können.
Q3
Was macht eine gute aktivistische Illustration aus?
Eine gelungene aktivistische Illustration findet die Balance zwischen Emotion und Information. Sie muss auf den ersten Blick fesseln, aber auch auf den zweiten und dritten noch inhaltliche Tiefe bieten. Wichtig ist zudem, dass sie nicht nur Probleme darstellt, sondern Handlungsperspektiven eröffnet – vom passiven Betrachten zum aktiven Teilnehmen.
Q4
Wie übersetzt man statistische Daten in eingängige Bilder, ohne zu vereinfachen?
Der Schlüssel liegt in der Verbindung von konkretem Beispiel und struktureller Aussage. Statt abstrakte Prozentzahlen zu zeigen, verbinden wir sie mit alltäglichen Szenen: 404 vs. 448 Minuten tägliche Arbeit wird zum Stundenglas, das buchstäblich verrinnt. So bleibt die faktische Genauigkeit erhalten, gewinnt aber menschliche Dimension.
Q5
Braucht eine NGO nicht einen professionelleren, hochwertigeren Look?
Professionalität zeigt sich nicht in Hochglanz, sondern in durchdachter Kommunikation. Der bewusst handgemachte Stil dieser Kampagne ist keine Notlösung, sondern strategische Entscheidung. Er signalisiert Nahbarkeit, Authentizität und passt perfekt zur Botschaft: Care-Arbeit ist menschlich, nicht maschinell – genau wie unsere visuelle Sprache.
Q6
Wie misst man den Erfolg einer solchen Kampagne jenseits von Klickzahlen?
Wir betrachten drei Ebenen: Die direkte Resonanz in Form von Shares und Engagement, die Adaptionen durch Partner und lokale Initiativen (wer nutzt die Materialien wie?), und langfristig den Einfluss auf den Diskurs. Tauchen unsere visuellen Metaphern in neuen Kontexten auf? Werden unsere Kernbotschaften von Entscheidungsträgern aufgegriffen? Diese qualitativen Indikatoren sagen oft mehr als reine Reichweitenzahlen.
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