Visuelle Kommunikationskampagne für die Friedrich-Ebert-Stiftung

Care-Arbeit im globalen Kontext: Das Unsichtbare sichtbar machen

Strategische Kampagnenkonzeption zur Neubewertung globaler Sorgearbeit

„Care to Join Us?"

Die Kampagne „Care to Join Us?" übersetzt komplexe wirtschaftsfeministische Theorie in acht visuelle Kapitel. Mit einer Kombination aus handgezeichneten Illustrationen, prägnanten Daten und aktivierenden Botschaften macht sie die oft unsichtbare Sorgearbeit sichtbar und bietet zugleich konkrete politische Handlungsansätze für eine gerechtere Verteilung.

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Die Herausforderung

Unsichtbare Arbeit sichtbar machen

Die Pandemie brachte ans Licht, was lange im Verborgenen lag: Sorgearbeit bildet das Fundament unserer Ökonomien – doch wird sie weder angemessen entlohnt noch fair verteilt. Genau hier setzt die globale Kampagne für die Friedrich-Ebert-Stiftung an. Sie übersetzt komplexe feministische Wirtschaftstheorie in eine visuell erzählte Geschichte, die weltweit Anklang findet. Statt akademisch zu bleiben, verwandelt sie systemische Kritik in konkrete Bilder: Krankenschwestern an vorderster Front, ungleiche Zeitbudgets und die versteckten Brücken, auf denen unsere Gesellschaften ruhen. Das Ziel: nicht nur Missstände aufzeigen, sondern kollektives Handeln anstoßen.

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Ergebnis und Leistungen:

Modulares Kampagnendesign für flexible Mediennutzung

Das Herzstück der Kampagne bildet ein „Manifest in acht Stories“ – jede ein eigenständiges Kapitel mit pointierter Headline, narrativer Illustration und faktischer Kernbotschaft. Diese modulare Struktur ermöglicht flexible Einsatzmöglichkeiten: Als Social-Media-Sharepics, als Ausstellungstafeln oder als Workshop-Material. Die bewusst handgemachte Ästhetik aus Wasserfarben und klaren Linien vermeidet den sterilen NGO-Look und schafft emotionale Nähe. Jedes Kapitel transportiert dabei sowohl den strukturellen Missstand als auch eine konkrete Forderung – von Lohngerechtigkeit bis zur Neuverteilung der Verantwortung zwischen Staaten und Unternehmen.

Deliverables

Konkret geliefert

1

Modulare Kampagnenelemente

Acht visuelle Kapitel, die als eigenständige Informationseinheiten funktionieren und zugleich eine zusammenhängende narrative Kette bilden. Jedes Element kombiniert Illustration, statistische Evidenz und Kernbotschaft.
2

Sharepic-Bibliothek

Social-Media-optimierte Versionen aller Kampagnenelemente mit angepassten Formaten und mehrsprachigen Textversionen für globale Distribution. Die Bibliothek ermöglicht weltweiten Partnern den Zugriff auf kampagnenkonforme Assets.
3

Visuelle Storytelling-Strategie

Ein dramaturgisches Konzept, das von der Problemdefinition über systemische Ursachen bis zu konkreten Handlungsaufforderungen führt und dabei abstrakte Theorien in verständliche Bildsprache übersetzt.
4

Aktivistisches Designkonzept

Bewusst niedrigschwellige, handgemachte Ästhetik, die globale Wiedererkennbarkeit mit lokaler Anpassungsfähigkeit verbindet.

Deep Dives und Learnings

Der Wert von Unvollkommenheit

In einer Welt perfekter Infografiken entschieden wir uns bewusst für handgezeichnete Linien und organische Wasserfarben. Diese ästhetische Wahl spiegelt den Kern der Care-Arbeit selbst: Sie ist nicht maschinell, nicht optimierbar, sondern zutiefst menschlich. Die leicht unregelmäßigen Konturen und transparenten Farbverläufe schaffen zudem emotionale Resonanz jenseits der Fakten. Sie erinnern an spontane Notizen, an persönliche Zeugnisse statt unpersönlicher Statistiken. In einer Debatte, die oft von Zahlen dominiert wird, öffnet diese bewusste Unvollkommenheit Räume für Identifikation und Dialog – und senkt die Einstiegshürde für ein komplexes Thema.

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Von der Infografik zum Fact-Toon

Traditionelle Infografiken stellen Daten in den Mittelpunkt. Unsere "Fact-Toons" drehen diese Logik um: Sie beginnen mit einer erzählerischen Illustration und betten die entscheidenden Fakten organisch ein. Diese Verschmelzung von narrativem Cartoon und sachlicher Information schafft ein neues Format – eins, das sowohl emotional berührt als auch faktisch überzeugt. Statt eines Entweder-oder entsteht ein Sowohl-als-auch. Die Zahlen legitimieren die Geschichte, die Geschichte macht die Zahlen begreifbar. Das Ergebnis ist eine visuelle Argumentation, die sowohl die Herzen als auch die Köpfe der Zielgruppen erreicht.

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Was das Projekt bewirkt

Mobilisierung durch Visualisierung

Die Kampagne „Care to Join Us?“ leistet mehr als Wissensvermittlung – sie schafft Handlungsräume. Durch ihre modulare Struktur und niedrigschwellige Ästhetik senkt sie die Hürde, sich mit komplexen ökonomischen Fragen auseinanderzusetzen. Die visuelle Übersetzung theoretischer Konzepte macht abstrakte Ungleichheiten konkret erfahrbar und eröffnet Dialogmöglichkeiten über Sprach- und Bildungsgrenzen hinweg. Besonders wertvoll: Die Kampagne vermeidet sowohl anklagende Opfernarrative als auch naive Lösungsversprechen. Stattdessen lädt sie zum titelgebenden „Join Us“ ein – einem kollektiven Prozess der Umverteilung von Verantwortung, Zeit und Ressourcen für eine gerechtere Care-Ökonomie.
Q&A
Q1
Kann man mit handgezeichneten Illustrationen überhaupt seriöse Wirtschaftspolitik kommunizieren?
Absolut. Gerade bei komplexen Themen wie der Care-Ökonomie schaffen handgemachte Elemente emotionale Zugänge, die reine Datenvisualisierungen nicht bieten. Der bewusst unfertige Look senkt Barrieren und lädt zur Beteiligung ein – genau das braucht eine Bewegung, die auf breite Mobilisierung zielt.
Q2
Wie stellt man sicher, dass eine global ausgerichtete Kampagne kulturelle Sensibilität wahrt?
Wir haben auf universelle Bildsprache gesetzt: abstrakte Figuren statt konkreter Personen, symbolhafte Darstellungen statt kulturspezifischer Marker. Gleichzeitig bietet die modulare Struktur Raum für lokale Anpassungen. Die Grundbotschaft bleibt global verständlich, während Details regional angepasst werden können.
Q3
Was macht eine gute aktivistische Illustration aus?
Eine gelungene aktivistische Illustration findet die Balance zwischen Emotion und Information. Sie muss auf den ersten Blick fesseln, aber auch auf den zweiten und dritten noch inhaltliche Tiefe bieten. Wichtig ist zudem, dass sie nicht nur Probleme darstellt, sondern Handlungsperspektiven eröffnet – vom passiven Betrachten zum aktiven Teilnehmen.
Q4
Wie übersetzt man statistische Daten in eingängige Bilder, ohne zu vereinfachen?
Der Schlüssel liegt in der Verbindung von konkretem Beispiel und struktureller Aussage. Statt abstrakte Prozentzahlen zu zeigen, verbinden wir sie mit alltäglichen Szenen: 404 vs. 448 Minuten tägliche Arbeit wird zum Stundenglas, das buchstäblich verrinnt. So bleibt die faktische Genauigkeit erhalten, gewinnt aber menschliche Dimension.
Q5
Braucht eine NGO nicht einen professionelleren, hochwertigeren Look?
Professionalität zeigt sich nicht in Hochglanz, sondern in durchdachter Kommunikation. Der bewusst handgemachte Stil dieser Kampagne ist keine Notlösung, sondern strategische Entscheidung. Er signalisiert Nahbarkeit, Authentizität und passt perfekt zur Botschaft: Care-Arbeit ist menschlich, nicht maschinell – genau wie unsere visuelle Sprache.
Q6
Wie misst man den Erfolg einer solchen Kampagne jenseits von Klickzahlen?
Wir betrachten drei Ebenen: Die direkte Resonanz in Form von Shares und Engagement, die Adaptionen durch Partner und lokale Initiativen (wer nutzt die Materialien wie?), und langfristig den Einfluss auf den Diskurs. Tauchen unsere visuellen Metaphern in neuen Kontexten auf? Werden unsere Kernbotschaften von Entscheidungsträgern aufgegriffen? Diese qualitativen Indikatoren sagen oft mehr als reine Reichweitenzahlen.
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