BAuA: Szenarien Pandemie

Pandemievorbereitung für Pflegeeinrichtungen

Szenario-Workshops entwickeln Krisenstrategien für Kliniken und Pflegeheime

Gewäppnet für die nächste Pandemie: Was passiert, wenn die nächste Pandemie kommt? Während sich Pflegeeinrichtungen noch von Corona erholen, fehlen systematische Vorbereitungsstrategien für künftige Krisen. Die BAuA beauftragte Ellery Studio mit der Konzeption und Moderation bundesweiter Szenario-Workshops, die die schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit in präventive Handlungsoptionen verwandeln. 39 Expert:innen aus Pflegepraxis, Forschung und Behörden entwickelten darin konkrete arbeitsorganisatorische Maßnahmen für künftige Pandemiesituationen.

Image
Die Herausforderung
Nie wieder unvorbereitet: Wie Pflegeeinrichtungen aus Corona lernen
Die Corona-Pandemie offenbarte schmerzhafte Schwächstellen im deutschen Pflegesystem. Überlastete Teams, chaotische Kommunikationswege und fehlende Krisenstrategien prägten den Alltag in Kliniken und Seniorenheimen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erkannte: Für künftige Pandemien braucht es systematische Vorbereitung statt reaktives Krisenmanagement. Die BAuA suchte einen methodischen Partner, der Zukunftsforschung beherrscht und komplexe Stakeholder-Gruppen moderieren kann.
Malbuch
Szenario-Workshops
Infografiken
Forschungsbericht
Awards
Fachartikel
Möchten Sie die Möglichkeit einer Projektzusammenarbeit mit uns prüfen?
Deliverables

Aus Szenario-Entwicklung wird Strategieentwicklung

Die ursprüngliche Ausschreibung sah klassische Szenario-Entwicklung vor. Im Auftaktgespräch wurde jedoch klar: Die BAuA brauchte weniger explorative Zukunftsbilder als konkrete Handlungsstrategien. Ellery Studio entwickelte einen Methodenmix aus Zukunftsforschung und Design Thinking. Das Futures Wheel half dabei, von schmerzhaften Corona-Erinnerungen systematisch zu konstruktiven Zukunftsbildern zu gelangen. Das Ideation Canvas übersetzte diese Erkenntnisse in umsetzbare Maßnahmen.
1

Zwei Szenario-Workshops

Je zweitägige Veranstaltungen für Akut- und Langzeitpflege mit 39 Expert:innen aus Praxis, Forschung und Behörden. Methodenmix aus Futures Wheel, Pain Point Mapping und Ideation Canvas.
2

70-seitiger BAuA-Forschungsbericht

Umfassende Dokumentation der Workshop-Methoden und -ergebnisse. Statt der geforderten 30–40 Seiten entstanden 70 Seiten plus Anhang mit konkreten Handlungsempfehlungen.
3

Fachartikel für „Die Schwester | Der Pfleger“

Vierseitiger Artikel für Deutschlands größte Pflegefachzeitschrift. Übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in praxistaugliche Empfehlungen für 160.000 Pflegefachkräfte.
4

Zusätzlicher Hitze-Workshop

Methodische Beratung einer Doktorandin für einen Workshop zu Hitzewellen im Krankenhaus. Wissenstransfer und Kompetenzaufbau beim Unfallklinikum Berlin.
Learnings
Thematische Deep Dives

Zukunftsforschung als Brückenbauer zwischen Trauma und Transformation

Wie verwandelt man kollektives Trauma in kollektive Handlungsfähigkeit? Ellery Studio führte die Workshop-Teilnehmenden systematisch von schmerzhaften Corona-Erinnerungen zu konstruktiven Zukunftsbildern. Das Futures Wheel deckte dabei überraschende Zusammenhänge auf: Bessere Kommunikation in Krisen hängt nicht nur von Technik ab, sondern von Vertrauen zwischen den Akteuren. Diese methodische Tiefe unterscheidet oberflächliche Krisenpläne von wirklich resilienten Organisationsstrukturen.

Partizipation als Qualitätsmerkmal komplexer Beratungsprojekte

Die größte Herausforderung lag nicht in der Methodik, sondern in der Stakeholder-Orchestrierung. 172 potenzielle Teilnehmende wurden angefragt, 39 konnten gewonnen werden. Ellery Studio entwickelte dabei eine Akquise-Strategie, die persönliche Ansprache mit professioneller Projektdokumentation verband. Besonders erfolgreich: Das Telefon als Vertrauensbildner. Viele Zusagen entstanden erst im direkten Gespräch, nachdem zunächst höfliche E-Mail-Absagen eingegangen waren.

Was das Projekt bewirkt

Vom Workshop zum Fachartikel: Wissenstransfer bis zur Zielgruppe

Der BAuA-Bericht liefert Pflegeeinrichtungen konkrete Handlungsempfehlungen auf drei Ebenen: von Teamfortbildungen über Krisenplan-Templates bis zu politischen Leitlinien. Der Fachartikel in „Die Schwester | Der Pfleger“ übersetzt diese für 160.000 Pflegefachkräfte bundesweit in praktische Maßnahmen. Die Workshops selbst wurden zum Vertrauensbildungsprozess – ein transdisziplinärer Austausch, der Grundlagen für künftige Zusammenarbeit in Krisensituationen schafft.

Fragen, Fragen, Fragen

In jedem Projekt sammeln wir Fragen, mit denen wir uns im Laufe der Entwicklung beschäftigt haben. Einige davon teilen wir hier.
Q&A
Q1
Was macht einen Szenario-Workshop erfolgreich, wenn die Teilnehmenden noch unter dem Trauma der letzten Krise leiden?
Wir nutzen bewusst eine dreiphasige Dramaturgie: Erst die schmerzhafte Vergangenheit würdigen, dann systematisch in mögliche Zukünfte denken, schließlich konkrete Handlungsoptionen entwickeln. Das Futures Wheel hilft dabei, von „Das war schrecklich“ zu „Das könnten wir anders machen“ zu gelangen. Entscheidend ist auch der Methodenwechsel – Menschen brauchen verschiedene Kanäle, um komplexe Erfahrungen zu verarbeiten.
Q2
Wie gelingt es, Intensivpfleger und Ministerialbeamte an einen Tisch zu bekommen?
Hierarchien verschwinden, wenn alle ein gemeinsames Problem haben. Wir schaffen bewusst Räume, in denen Erfahrungswissen genauso zählt wie Systemwissen. Die Du-Anrede hilft, aber entscheidender sind Methoden, die verschiedene Perspektiven systematisch sichtbar machen. Ein Problembaum zeigt jedem, wo sein Puzzle-Stück ins große Bild gehört.
Q3
Warum ist die Kombination aus Zukunftsforschung und Design Thinking so wirksam?
Zukunftsforschung macht komplexe Zusammenhänge denkbar, Design Thinking macht sie umsetzbar. Das Futures Wheel öffnet den Horizont für unerwartete Entwicklungen, das Ideation Canvas bringt die Erkenntnisse auf den Boden konkreter Maßnahmen. Ohne diese Kombination bleiben Workshops oft bei interessanten Diskussionen stehen.
Q4
Wie stellt ihr sicher, dass Workshop-Ergebnisse nicht in der Schublade verschwinden?
Durch drei Ebenen der Wirkung: Der BAuA-Bericht dient der wissenschaftlichen Community, der Fachartikel erreicht die Praxis direkt, und die Workshop-Teilnehmenden werden zu Multiplikatoren in ihren Netzwerken. Außerdem entstehen oft ungeplante Kooperationen – in unserem Fall gründeten Teilnehmende regionale Austauschgruppen.
Q5
Was unterscheidet euren Ansatz von klassischen Beratungsworkshops?
Wir verbinden systematisch drei Rollen: Moderatoren für den Prozess, Forscher für die Methodik und Kommunikatoren für den Transfer. Dadurch entstehen nicht nur Empfehlungen, sondern auch die Kanäle für ihre Verbreitung. Plus: Unser Design-Team sorgt dafür, dass auch komplexe Inhalte visuell zugänglich werden.
Q6
Geht es auch weniger methodisch und mehr pragmatisch?
Unsere Erfahrung zeigt: Gerade in emotionalen Themen wie Krisenvorbereitung braucht es methodische Struktur. Sie gibt den Teilnehmenden Sicherheit und verhindert, dass sich Diskussionen im Kreis drehen. Aber natürlich passen wir den Methodenmix an die Gruppe an – manchmal braucht es mehr Kreativität, manchmal mehr Analyse.
Lust auf einen Kaffee und ein gutes Gespräch?
Team
Lilli Kirchmann
Lilli Kirchmann
Infografik & Kommunikationsdesign
Hannah Schrage
Hannah Schrage
Design & Illustration
Dorota Orlof
Dorota Orlof
Design & Illustration
Yasemin Cakir
Yasemin Cakir
Kommunikationsdesign
Niels Jansen
Niels Jansen
Foresight & Partizipation
Infos
Kunde
BAuA
Jahr
2024
Leistungen im Projekt
Szenario-Workshops
Zukunftsforschung
Workshop-Moderation
Forschungsbericht
Fachartikel